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Abs. Karl Vospernik abs. theol. Katholischer Verlagsleiter A-9220 Velden www.relimedien.com email= karlv@easyline.at Tel (0043) (0)4274-51683
Betreff: Geistliche Berufe – einige Gedankenanstöße für eine Teillösung des Problems
Grüß Gott!
Im Sinne einer Mitsorge („sentire cum ecclesia“) betreffend das Problem der seelsorglichen Unterversorgung in vielen westlichen Ländern möchte ich einige Gedankenanstöße dazu liefern (Ich habe mich über das Problem auch mit anderen unterhalten, u.a. mit einem afrikanischen Priester, der derzeit in Rom studiert. Im Prinzip finden sie meinen Ansatz richtig, der wahrscheinlich auch schon da und dort praktiziert wird, aber nicht SYSTEMATISCH GENUG).
Man sieht mittelfristig wenig Perspektiven für eine gesunde seelsorgliche „Vollversorgung“. Es scheint immer schlechter zu werden. Die Alterspyramide steigt, viele Pfarrseelsorger sind überfordert und stehen unter starkem Stress durch die Mitversorgung oft mehrerer Pfarrgemeinden. Dass diese oftmalige Überforderung auch zu Lasten des geistlichen Lebens der Priester geht, sei nur nebenher bemerkt. Das mindert oft erheblich die Zeugniskraft der Geistlichen, mindert ihre apostolische Fruchtbarkeit und mindert ihre Motivation zum priesterlichen Dienst, zum Zölibat, den sie so leichter aufgeben oder sich mit selbstgestrickten Kompromissen irgendwie arrangieren bzw. innerlich resignieren. Das führt häufig zu einer mehr schlechten als rechten seelsorglichen Betreuung. Versorgung (mit den Sakramenten) ist jedoch noch keine vollPastoral, wie sie wissen. Die alterspyramide steigt jedoch weiter, SCHÖN LANGSAM IST DER kLERUSSTAND MIT DEM „vOLKSSTURM“ DER LETZTEN KRIEGSTAGE ZU VERGLEICHEN (als das „letzte Aufgebot“, die letzten Reserven werden ausgequetscht...) Lange kann man so auch nicht weiter improvisieren und weiterwursteln, ein Loch zumachen und ein anderes aufreißen. Das Durchschnittsalter des Klerus in vielen Diözesen ist ja bedenklich hoch. Die Situation verlangt nach entschlossenerem Handeln !! Pfarrverbände sind auch nicht der Weisheit letzter Schluss – Pastoral verlangt Nähe, weniger Bürokratie, verlangt priesterliche „Nahversorgung“. Der Priester als Intergrationsfigur einer Gemeinde ist durch niemanden zu ersetzen. Stärkerer Einsatz der Laien inclus. Pastoralassistenten /Innen, Diakone und dergleichen ist, wie man weiß, kein adäquater Ersatz für das priesterliche Amt. Vor allem: Der Substanzverslust an C h r i s t l i c h e M in der Bevölkerung kann so nicht gestoppt bzw. eine Trendumkehr herbeigeführt werden.
Sie haben sich sicherlich schon oft und stark mit diesem Problem beschäftigt. Auch dürften Ihnen die nachfolgenden Anregungen / Vorschläge nicht unbekannt sein. So ist mein heutiges Schreiben als kleine, wohlgemeinte Erinnerung aufzufassen, einen neuen, entschlossenen Anlauf zu machen, das Problem FRISCH UND MUTIG ANZUPACKEN Grundgedanke für einen Lösungsansatz: In ziemlich vielen Ländern der Welt gibt es einen relativen Überschuss an geistlichen Berufen – (konkret: Berufungen zum Weltpriestertum).wie z.B. in diversen afrikanischen Ländern, in Vietnam, Südkorea, Indien u.a. In manchen Ländern (z.B. Nigeria) muß man Seminaristen z.T. aus Platzgründen und finanziellen Problemen, die mit der Ausbildung verbunden sind, abweisen. Bisher hat man sich vielleicht zu sehr (einseitig) auf die Kirche Polens abgestützt. . Es darf jedoch zu keinem „Überfischen“ der polnischen Gewässer kommen, und, um eines erwünschten Gleichgesichts willen, sollten vielen andere Nationen vertreten sein, die uns jetzt „zurückmissionieren“. Weltmission sollte ja immer als Austausch auf universaler Ebene gesehen werden – als Geben und Nehmen, im Geiste christlicher Solidarität.
Studenten in den Anfangsjahren oder im fortgeschrittenen Studienverlauf einladen, die Studien in Ihrer Diözese bzw. in Österreich oder anderen deutschsprachigen Ländern abzuschließen, wenn die grundsätzliche Bereitschaft zur Priesterweihe besteht. Eine Verpflichtung für etwa 10 Jahre in der Diözese, die das Studium finanziert, wäre die nötige Gegenleistung, die potentielle theologische Studienbewerber abgeben müssten. Wie Sie wissen, passen sich erstens junge Menschen an neue Kulturen besser an und zweitens würden sie im Laufe des Studiums auch die deutsche Sprache gut zu beherrschen lernen.
Es wäre auch eine Art „Vorseminar“ (Propädeutikum) in ihren afrikanischen usw. Heimatdiözesen von etwa einem Jahr denkbar, während dem die echten Kandidaten von Scheinkandidaten („Spreu von Weizen“) getrennt werden. Während diesem Propädeutikum (eines oder mehr pro Land das viel Berufungen „abwirft“) müsste natürlich auch mindestens ein Vertreter (als Leiter oder Codirektor) der deutschsprachigen Diözese, die dieses Propädeutikum führt, zusammen mit Kräften aus dem Land, vertreten sein. Diese Institution kann im Land selbst dann die „Werbetrommel“ für das Propädeutikum rühren und, wie gesagt, eine Art „Vorfilterung“ vor dem eigentlichen Transfer nach Europa vornehmen. Potentielle Kandidaten für dieses Propädeutikum wären z.B. Maturajahrgänge in den Gymnasien, geschickte und hingebungsvolle Mitarbeiter in den Pfarren (z.B. Katecheten), die sich auch ein zölibateres Leben vorstellen können und die eine gewisse höhere Grundausbildung haben (mit „fast“ Maturaniveau). Natürlich sollte man auch mit jenen jungen Männern reden (in Absprache mit dem lokalen Bischof, versteht sich) die bereits im Priesterseminar Ihrer Diözese sind, ob ein zeitlich begrenzter Transfer (10 Jahre) nach Europa für sie denkbar wäre. Dies würde wohl auch einen wünschenswerten Kreislauf der Kulturen bedeuten und ein gesundes Ferment im unaufhaltsamen Trend der Globaliserung abgeben. Näheres Kennenlernen der Kulturen ist ein ja Wachstum zu einem gesunden Verständnis füreinander bzw. eine konkrete Umsetzung der Universalität der Kirche und eine starke Injektion gegen Vorurteile, Rassenwahn usw. bzw. ein guter Baustein für ein Kultur des Friedens und eine Zivilisation der Liebe. Inhaltlich kann man in diesem Propädeutikum schon etwas Theologisches bringen, etwas Allgemeinwissen (z.T. Maturaniveau checken) und Informationen über das konkrete Pfarrleben in den deutschsprachigen Diözesen (was sie bei einer Übersiedlung konkret erwartet) bringen. Gezielter Medieneinsatz (z.B. Filme über den Alltag in einer deutschsprachigen Pfarre) könnten dazu gute Hilfsdienste leisten. Im gewissen Sinne wäre dies eine Neuauflage in stark angepasster Form der bei uns oftmals aufgelassenen „Kleinen Seminare“ in den „Missionsländern“ – jedoch für die Altersgruppe ab 18 etwa, die schon eine Art Gymnasialausbilding in ihrer Heimat hinter sich gebracht haben.
Nach dem Transfer in das deutschsprachige Gebiet sollte mindestens eine Art zweites Propädeutikum (mindestens 6 Monate) vor dem eigentlichen Studium vorgeschaltet werden (Hauptziel: Intensiver Sprachkurs und Ergänzung was einzelnen Kandidaten inhaltlich noch vor dem Philosophie-Theologiestudium fehlt. Und noch nähres Kennenlernen mit unserer Kultur (durch gezielte Tuchfühlung mit der Bevölkerung, indem sie bei diesem oder jenen Treffen, Festen, Veranstaltungen usw. in den Pfarren, Gemeinden usw. mitmachen. Ein Pfarrer aus Kärnten hatte in seiner Pfarre 2 afrikanische Kapläne und spreche aus Erfahrung. Als großes Manko empfand er es, dass z.B. diese 2 afrikanischen Kapläne ohne jedes vorhergehende Sprachstudium in den Pfarrdienst verpflanzt wurden und so diese in der Anfangszeit kaum eine konkrete Hilfe im Pfarralltag abgeben konnten. Natürlich wäre als Denkalternative auch das Propädeutikum in den deutschsprachigen Diözesen möglich. Dies wäre jedoch teurer (Allein das Leben hier, Gebäudeerhaltung, der Flug aus Ihren Heimatländern und evtl. bald wieder zurück, Personalkosten usw.) Man kann wohl davon ausgehen, dass 20 – 35 % der Kandidaten im Propädeutikum nicht geeignet sind bzw. von sich aus nicht weitermachen wollen. Die müsste man dann kostspielig wieder in Ihre Heimat zurückbringen. Der Bruch zwischen Abreise aus ihrer angestammten Heimat und ihre Rückkehr nach einigen Monaten bis zu einem Jahr wäre auch psychologisch für sie schwerer zu verkraften als ein Austritt aus einem Propädeutikum in Ihrer Heimat, der wohl „nahtloser“ vor sich ginge. Diese Hereinholung von Studenten / Seminaristen dürfte wohl auch kein finanzielles Problem sein. Bekanntlich heißt es: „Wo ein Wille da auch ein Weg“. Man müsste halt in den Ausgaben der Diözese etwas umschichten, umstrukturieren. Jede Diözese lebt ja in ihrer Lebendigkeit von einer ausreichenden Zahl von (guten) Priestern / Seelsorgern. Wenn diese nicht vorhanden ist, geht allmählich die Luft aus, sich leer laufende Strukturen bleiben als totes Skelett.
Natürlich muß man auch das Gebet um „Arbeiter im Weinberg“ intensivieren. In gewissen Lokalkirchen (diverse irische Diözesen z.B.) macht man sehr gute Erfahrungen damit, die eucharistische Anbetung um geistliche Berufe stark und systematisch zu intensivieren. Es ist natürlich auch beschämend für die ehemals christlichen Länder, für die etwa 1400 Jahre alten „Trauben am Weinstock Christi“, nicht genug eigene Berufungen hervorzubringen. Wenn im Laufe der Zeit etwa 50 % des Klerus nicht mehr auf „heimischen Boden gewachsen sind“, ist es für die lokalen Kirchen ein Armutszeugnis. Doch damit muß man wohl vorläufig leben. Doch, wie gesagt, die Universalität der Kirche konkretisiert sich so merkbarer und deutlicher. Das Gebet ALLEIN kann aber auch eine gewisse Flucht sein, nicht alles zu tun, was menschlich möglich ist. Ora ET labora… Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wohlwollende Prüfung der in Kurzform dargebrachten Gedanken. Falls noch ergänzende Gedanken gewünscht werden bzw. Konkretisierungen da und dort, bitte um kurze Mail oder Anruf. Shalom Karl Vospernik
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